Parler – Reden, hassen, lügen

Was ist „Parler“?

Parler ist eine App, die 2018 in den USA entwickelt worden ist und nun seit kurzem in der Beliebtheit rasant nach oben gestiegen ist. In der aktuellen Kalenderwoche (KW 46) in diesem Jahr führt die App die Liste der meist geladenen Apps in den USA an. Der Name wurde nach dem französischen Verb für „reden“ gewählt.

Das soziale Netzwerk sieht sich als Alternative zu Twitter und wirbt damit, ein Medium der freien Rede zu sein. Jeder kann sich so äußern, wie er oder sie will. Dazu gehören auch Hate Speech, Lügen, falsche Aussagen zum Holocaust etc.

Warum ist plötzlich Parler so beliebt?

Trump-Fans finden dort einen Raum, in dem der Wahlbetrug in den USA als bewiesen angesehen wird. Verschwörungstheoretiker und Rechtspopulisten finden ihresgleichen und können sich ohne zensierende Moderation zu Wort melden. Da andere soziale Netzwerke wie Facebook oder Twitter mehr Beiträge löschen bzw. zensieren, erhoffen sich User von diesem Medium mehr Freiheiten.

Parler wirbt zudem mit dem Schutz der persönlichen Daten (kein Verkauf an Dritte). User können sich verifizieren lassen, um so laut der Webseite des Anbieters, Bots vorzubeugen. Angezeigte Feeds können nach den eigenen Bedürfnissen gefiltert werden. So kann sich jeder seine eigene Filterblase selbst erschaffen. Parler nennt das „Shadow-Banning“.

Mitglieder sind z.B. Donald Trumps Sohn Eric, der Chef der Identitäten Bewegung in Österreich, Martin Sellner, und der brasilianische Präsident, Jair Bolsonaro.

Welchen Zugriff hat Parler?

Parler sagt, sie schütze private Daten. Allerdings gewährt man der App Zugriff auf viele persönliche Daten, um sie nutzen zu können. Informationen zum Gerät, zur Nutzung, den Kontakten (wenn erlaubt) werden gesammelt. Bei der Verifizierung wird z.B. auch die Sozialversicherungsnummer benötigt.

Für eigenes Marketing werden die gesammelten Daten verwendet. An Dritte werden die Informationen ohne Zustimmung nicht für direkte Werbung weitergegeben. Allerdings werden hier explizit „nonaffiliated third parties“ in der Privacy Policy genannt. Interessant wäre zu wissen, wer über die (Nicht-) Verbundenheit entscheidet.

Welche Einschränkungen in der Redefreiheit gibt es?

Seit ein paar Tagen sind nun doch einige Äußerungen verboten: Aufforderungen zur Gewalt (z.B. von Terrororganisationen), rechtswidrige Inhalte (Rechtsverletzungen), illegale Aktionen, Delikte oder Verbrechen (z.B. Kinderpornografie).

 

Weitere Informationen: Parler-Webseite, Wikipedia-Artikel.

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