Mediensucht in Pandemiezeiten

Weshalb sind Medien in Pandemiezeiten so attraktiv?

Digitale Spiele und soziale Netzwerke sind in Zeiten von Corona und den pandemiebedingten sozialen Einschränkungen als virtuelle Welten einer der letzten verbliebenen Treffpunkte – besonders für viele Kinder und Jugendliche.

Was ist Mediensucht?

Der Konsum von digitalen Medien kann unter Kindern und Jugendlichen pathologische Ausmaße annehmen. Der problematische Medienkonsum beginnt weit vor einer Suchterkrankung. Es zeigen sich z.B. Unruhe, Unwohlsein, Aggressivität und Lustlosigkeit.

Anzeichen für Mediensucht sind z.B. der Kontrollverlust über das eigene Medienverhalten sowie die (zunehmende) Vernachlässigung anderer Lebensbereiche (Arbeit, Schule, reale soziale Kontakte) zugunsten der Mediennutzung. Weitere Merkmale sind gedankliche Eingenommenheit, Entzugssymptome, Interessenverlust, Vertuschen.

Nach Untersuchungen der Charité werden durch Mediensucht ähnliche Verhaltensmuster wie bei Alkohol- oder Cannabisabhängigkeit erzeugt.

In der DSM-5 wird die Internet Gaming Disorder gelistet und in der ICD-11 (6C51) erscheint Mediensucht als Gaming Disorder (Untergruppe von Disorders due to addictive behaviours) nun ebenfalls als anerkannte Krankheit.

Wie relevant ist das Thema derzeit in der Gesellschaft?

Nach einer neuen Studie des Deutschen Kinderhilfswerks hält eine große Mehrheit (90 Prozent) von Kindern und Jugendlichen hierzulande es für wichtig, das Thema Mediensucht an Schulen zu behandeln.
Die Staatssekretärin im Bundesfamilienministerium, Juliane Seifert, teilte mit: „Es kann nicht allein Aufgabe der Eltern sein, ihre Kinder vor exzessiver Mediennutzung zu schützen. Anbietern kommt hier eine besondere Verantwortung zu.“
Mediensucht wird somit zunehmend als gesellschaftlich relevantes Phänomen wahrgenommen, welches nur gemeinsam mit allen relevanten Akteuren – Eltern, Schule, Anbieter von Medienangeboten, Politik – erfolgreich angegangen werden kann.

Wer wird für den Kinderreport befragt?

Für den Kinderreport 2021 des Deutschen Kinderhilfswerkes wurden 1692 Personen befragt. Das Politikforschungsinstitut Kantar Public führte zwei Umfragen in Deutschland durch, eine unter Kindern und Jugendlichen (10- bis 17-Jährige, 669 Personen) und eine unter Erwachsenen (ab 18-Jährige, 1023 Personen).

Welche Ergebnisse liefert der Kinderreport 2021?

  • Die meisten der befragten Kinder und Erwachsenen wollen, dass süchtigmachende Medien gekennzeichnet werden und Eltern über das Thema informieren.
  • Die Befragten sehen sich selbst, die Familien aber auch die Medienanbieter, in der Verantwortung, um Mediensucht wirksam zu begegnen.
  • Erwachsene und Heranwachsende haben ein ähnliches Verständnis von Mediensucht. Die Befragten betrachten mit 92 bzw. 88 % den Verlust von Kontrolle über das eigene Medienverhalten sowie mit 91 bzw. 86 % die Vernachlässigung anderer Lebensbereiche zugunsten der Mediennutzung als Anzeichen für Mediensucht.
  • Die Hälfte aller Kinder und Jugendlichen gibt an, dass sie selbst oder Freunde in ihrem Umfeld Erfahrungen mit Mediensucht gemacht haben.
  • Mehr als 90% der Kinder, Jugendlichen und Erwachsenen wünscht sich eine stärkere schulische Aufklärung über Mediensucht.
  • Nur 17% der Kinder und 20% der Erwachsenen befürworten ein komplettes Verbot von Smartphones für Kinder unter 14 Jahren.
  • CA. 80% der Befragten empfinden die Verfügbarkeit von Beratungs- und Hilfsangeboten für betroffene Kinder und ihre Familien als unzureichend.

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